USV im Homelab
TrueNAS Scale und Proxmox sicher per USV herunterfahren – APC Back-UPS mit NUT Remote Shutdown
In vielen kleinen Unternehmen oder Homelabs laufen heute mehrere Systeme parallel:
ein NAS mit TrueNAS Scale, ein Virtualisierungshost mit Proxmox und verschiedene
Netzwerkgeräte wie Router oder Switches.
Ein kurzer Stromausfall reicht oft schon aus, um virtuelle Maschinen, ZFS-Pools
oder laufende Dienste unsauber zu beenden. In diesem Beitrag zeige ich ein
einfaches und zuverlässiges Setup, mit dem TrueNAS Scale als zentraler
UPS-Master arbeitet und einen Proxmox-Host automatisch mit herunterfährt.
Ziel des Setups
- TrueNAS Scale direkt per USB an die USV anbinden
- Proxmox als Remote-Client überwachen lassen
- Automatischer Shutdown bei Stromausfall
- Sauberes Herunterfahren von VMs und ZFS
- Router/Fritz!Box möglichst lange weiterlaufen lassen
Verwendete Hardware
- APC Back-UPS RS 550G
- TrueNAS Scale
- Proxmox VE
- Lokales Netzwerk
Architektur
USV (USB)
│
└── TrueNAS Scale (NUT Master)
│
└── Netzwerk
│
└── Proxmox VE (NUT Client)
TrueNAS Scale konfigurieren
Die USV wird direkt per USB mit dem TrueNAS-System verbunden.
TrueNAS arbeitet anschließend als zentraler NUT-Server.
UPS-Service aktivieren
- System Settings → Services → UPS
- UPS Mode: Master
- Driver: APC ups 2 Back-UPS Pro USB
- Port: automatisch erkannt
Empfohlene Einstellungen
Shutdown Mode: UPS goes on battery
Shutdown Timer: 30
Host Sync: 15
Power Off UPS: deaktiviert
Remote Monitoring aktivieren
Wichtig: „Remote Monitor“ aktivieren, damit andere Systeme
den UPS-Status abrufen können.
Optionaler Runtime Override
Besonders bei APC Back-UPS Geräten kann die Runtime-Schätzung
ungenau sein. Ein konservativer Override ist daher sinnvoll.
override.battery.runtime.low = 60
Status der USV prüfen
upsc ups@localhost
Wichtige Werte:
battery.runtime
battery.runtime.low
battery.charge
ups.status
Proxmox als NUT-Client konfigurieren
NUT installieren
apt update
apt install nut-client
/etc/nut/nut.conf
MODE=netclient
/etc/nut/upsmon.conf
MONITOR ups@192.168.178.100 1 upsmon fixmepass slave
MINSUPPLIES 1
SHUTDOWNCMD "/sbin/shutdown -h now"
POWERDOWNFLAG /etc/killpower
Dabei ist:
- 192.168.178.100 = IP des TrueNAS-Servers
- ups = Name der USV
- upsmon/fixmepass = Monitor-User aus TrueNAS
Dienst aktivieren
systemctl enable nut-client
systemctl restart nut-client
Verbindung testen
Port-Test
nc -zv 192.168.178.100 3493
UPS-Status abrufen
upsc ups@192.168.178.100
Log überwachen
journalctl -f | grep -Ei "ups|nut|shutdown|fsd"
Praxis-Test
Nach Trennung der Netzspannung sollte folgender Ablauf sichtbar sein:
UPS on battery
→ Shutdown Timer startet
→ FSD (Forced Shutdown)
→ Proxmox fährt herunter
→ TrueNAS fährt herunter
Wichtige Erkenntnisse
- Günstige APC Back-UPS Modelle liefern oft ungenaue Runtime-Werte
- Nach Akkuwechseln muss sich die Kennlinie teilweise neu einlernen
- Ein konservativer Timer ist zuverlässiger als Prozentanzeigen
- 30 Sekunden sind in kleinen Umgebungen meist ausreichend
Fazit
Für kleine Serverumgebungen ist dieses Setup überraschend effektiv.
Selbst günstige APC Back-UPS Modelle reichen aus, um TrueNAS und Proxmox
sauber herunterzufahren und Datenverlust zu vermeiden.
Wer später mehr Monitoring, genauere Akkuwerte oder SNMP nutzen möchte,
kann jederzeit auf eine APC Smart-UPS wechseln.
Für Homelabs, kleine Büros oder private Virtualisierungsumgebungen ist die
Kombination aus TrueNAS Scale, Proxmox und NUT bereits eine sehr robuste
und professionelle Lösung.
Praxis-Eventlog des automatischen Shutdowns
Das folgende Eventlog zeigt den tatsächlichen Ablauf eines simulierten Stromausfalls.
TrueNAS Scale war per USB direkt mit der USV verbunden und arbeitete als zentraler
NUT-Master. Proxmox war als sekundärer NUT-Client über das Netzwerk angebunden.
Zeitlicher Ablauf
| Zeit | System | Ereignis | Erklärung |
|---|---|---|---|
| 14:33:05 | Proxmox | Kurzzeitiger Verlust der UPS-Kommunikation |
Proxmox verlor kurzzeitig die Verbindung zum NUT-Server auf TrueNAS. Solche kurzen Unterbrechungen können bei Dienstneustarts oder Polling-Wechseln auftreten. |
| 14:33:10 | Proxmox | UPS-Kommunikation wiederhergestellt |
Die Verbindung zum TrueNAS-NUT-Server wurde erfolgreich wieder aufgebaut. Das Remote-Monitoring funktionierte wieder korrekt. |
| 14:33:50 | Proxmox | USV läuft auf Batterie |
Proxmox erhielt den Status ONBATT vom TrueNAS-Master. Die USV hatte damit erfolgreich von Netzbetrieb auf Akkubetrieb umgeschaltet. |
| 14:34:10 | Proxmox | Forced Shutdown gestartet |
TrueNAS löste den sogenannten FSD (Forced Shutdown) aus. Als sekundärer NUT-Client begann Proxmox daraufhin automatisch mit dem Shutdown-Prozess. |
| 14:34:10 | Proxmox | LOWBATT-Zustand empfangen |
Zusätzlich wurde der LOWBATT-Status vom NUT-Master übertragen. Bei günstigen APC Back-UPS Modellen kann diese Einschätzung konservativ ausfallen, der eigentliche Shutdown wurde hier jedoch über den Timer gesteuert. |
| 14:34:10 | Proxmox | Automatischer Shutdown gestartet |
Proxmox führte den konfigurierten Shutdown-Befehl aus und begann mit dem kontrollierten Herunterfahren des Hosts sowie der virtuellen Maschinen. |
| 14:34:15 | TrueNAS | Automatischer Power-Fail-Shutdown |
TrueNAS startete nun den eigenen Shutdown-Prozess, nachdem zuvor alle verbundenen NUT-Clients informiert wurden. |
| 14:34:20 | TrueNAS | System Poweroff |
TrueNAS zeigte die finale Systemmeldung: „The system will power off now!“ Damit wurde die eigentliche Betriebssystem-Abschaltung eingeleitet. |
Gemessene Shutdown-Sequenz
14:33:50 Proxmox erkennt ONBATT
14:34:10 Proxmox erhält FSD und startet Shutdown
14:34:15 TrueNAS startet eigenen Power-Fail-Shutdown
14:34:20 TrueNAS kündigt endgültiges Poweroff an
Ergebnis
Der Test zeigte, dass das NUT-Master/Client-Setup korrekt arbeitet:
TrueNAS erkennt das UPS-Event, löst den Forced Shutdown aus
und Proxmox reagiert wie vorgesehen als sekundärer Client.
Der Proxmox-Host begann ungefähr 20 Sekunden nach dem ONBATT-Ereignis
mit dem kontrollierten Shutdown. TrueNAS folgte wenige Sekunden später
und leitete anschließend das endgültige Poweroff ein.
Genau dieses Verhalten ist in kleinen Homelabs oder Büro-Umgebungen erwünscht:
zuerst fährt der Virtualisierungshost sauber herunter,
anschließend folgt das Storage-System.
Netzwerkgeräte wie Router oder Switches können weiterhin an der USV verbleiben
und dadurch noch einige zusätzliche Minuten online bleiben.



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