Wer zu Hause mit einem NAS, einem Schnitt-PC oder größeren Datenmengen arbeitet, stößt mit klassischem Gigabit-Ethernet schnell an Grenzen. In meinem Fall waren PC und NAS ursprünglich mit 1 Gbit/s verbunden. Das funktioniert für normale Dateiablage, Backups und Office-Daten problemlos. Sobald aber große Videodateien, Projektordner oder mehrere hundert Gigabyte bewegt werden, wird 1Gbit schnell zum Flaschenhals.
Typisch sind bei 1Gbit-Ethernet in der Praxis etwa 110 MB/s. Für große Datenmengen ist das langsam. Ein 100-GB-Projekt braucht damit grob 15 Minuten oder länger. Ziel war daher ein günstiges Upgrade auf 10Gbit über Glasfaser beziehungsweise SFP+.
Ausgangssituation
- NAS und PC waren bisher mit 1Gbit/s angebunden.
- Praktische Datenrate: etwa 110 MB/s.
- Große Video- und Projektdaten sollten schneller zwischen PC und NAS übertragen werden.
- Das Upgrade sollte bezahlbar bleiben und gleichzeitig als Einstieg in 10G-SFP+/Glasfasertechnik dienen.
Ziel des Upgrades
Das Ziel war eine direkte 10Gbit-Anbindung zwischen Schnitt-PC und TrueNAS-System über einen günstigen 10G-fähigen Switch. Die Lösung sollte im Homelab bezahlbar bleiben, aber trotzdem messbar echte 10G-Leistung liefern.
Verwendete Hardware
Der Switch: SODOLA SL-8T2XS-WEB
Der SODOLA SL-8T2XS-WEB ist ein günstiger Web-Managed-Layer-2-Switch mit acht 2.5G-RJ45-Ports und zwei 10G-SFP+-Ports. Damit eignet er sich gut als kleiner Homelab-Switch, wenn man einige Multi-Gigabit-Geräte und zusätzlich zwei schnelle SFP+-Verbindungen betreiben möchte.
| Merkmal |
Daten |
| Modell |
SODOLA SL-8T2XS-WEB |
| Switch-Typ |
Web Managed Layer 2 |
| RJ45-Ports |
8× 100M/1G/2.5G |
| SFP+-Ports |
2× 10G SFP+ |
| VLAN |
802.1Q VLAN, tagged/untagged Ports |
| Weitere Funktionen |
QoS, IGMP Snooping, Port-Statistiken, Link Aggregation je nach Firmware |
| Layer 3 / Routing |
Nein, als Layer-2-Switch einzuordnen |
Wichtig: Der Switch ist kein Router und keine Firewall. VLANs, Trunks und Access-Ports kann er übernehmen. Routing zwischen VLANs, Firewall-Regeln, DHCP und NAT gehören auf einen Router beziehungsweise eine Firewall, zum Beispiel OPNsense.
Warum SFP+ und Glasfaser?
10Gbit lässt sich grundsätzlich auch über Kupfer realisieren. Für mein Setup war SFP+ mit Glasfaser aber die attraktivere Lösung. SFP+-Module und Glasfaserkabel bleiben thermisch meist entspannter als 10GBASE-T-Module über RJ45. Außerdem ist Glasfaser elektrisch entkoppelt und gut geeignet, wenn später längere Strecken zwischen Räumen oder Etagen überbrückt werden sollen.
Für kurze Strecken im Homelab reichen 10G-SFP+-Module und passende Glasfaser-Patchkabel völlig aus. Im Test wurden PC und TrueNAS über den SODOLA-Switch mit 10G-SFP+ verbunden.
Testaufbau
| Bereich |
Beschreibung |
| Client |
Windows-PC / Schnitt-PC |
| Server |
TrueNAS SCALE |
| Netzwerk |
10G SFP+ über SODOLA SL-8T2XS-WEB |
| Messwerkzeuge |
iPerf3, CrystalDiskMark, SMB-Kopiertest, Switch-Port-Counter, TrueNAS ethtool/ip |
Testergebnisse
1. iPerf3: PC zu TrueNAS
Der erste Test prüfte die Richtung vom Windows-PC zum TrueNAS-System.
| Richtung |
Ergebnis |
| PC → TrueNAS |
ca. 9,27–9,41 Gbit/s |
Damit wurde die 10G-Verbindung in dieser Richtung praktisch vollständig ausgenutzt.
2. iPerf3: TrueNAS zu PC
In Gegenrichtung zeigte sich, dass ein einzelner TCP-Stream nicht die volle Bandbreite ausnutzt. Mit mehreren parallelen Streams skalierte die Verbindung jedoch sauber hoch.
| Richtung |
Streams |
Ergebnis |
| TrueNAS → PC |
1 |
ca. 1,3–1,7 Gbit/s |
| TrueNAS → PC |
4 |
ca. 6,18 Gbit/s |
| TrueNAS → PC |
8 |
ca. 9,49 Gbit/s |
Das Ergebnis zeigt: Die physische 10G-Strecke ist schnell genug. Die Limitierung bei einem einzelnen Stream liegt eher im Bereich TCP, Treiber, Receive-Queues oder Betriebssystemverhalten.
3. Bidirektionaler iPerf3-Test
Im bidirektionalen Test wurden beide Richtungen gleichzeitig belastet.
| Richtung |
Ergebnis |
| PC → TrueNAS gleichzeitig |
ca. 8,95–8,97 Gbit/s |
| TrueNAS → PC gleichzeitig |
ca. 9,43–9,46 Gbit/s |
Damit konnte die Verbindung im Test nahezu Full-Duplex-10Gbit-Leistung liefern. Unter maximaler Last traten TCP-Retransmits auf, jedoch keine Port-Fehler am Switch. Das spricht eher für Buffer-/TCP-/Treiberverhalten unter Volllast als für ein physisches Problem.
4. Switch-Port-Counter
Nach den Lasttests wurden die Fehlerzähler der SFP+-Ports geprüft.
| Port |
Link |
Send Errors |
RX Errors |
Bewertung |
| Port 9 |
10Gbps Full |
0 |
0 |
sauber |
| Port 10 |
10Gbps Full |
0 |
0 |
sauber |
Auch nach hohen Datenmengen und bidirektionalen Tests blieben die 10G-Ports fehlerfrei.
5. CrystalDiskMark auf dem Netzlaufwerk
Zusätzlich wurde ein CrystalDiskMark-Test auf dem TrueNAS-Netzlaufwerk durchgeführt.
| Test |
Lesen |
Schreiben |
| SEQ1M Q8T1 |
ca. 1068 MB/s |
ca. 698 MB/s |
| SEQ128K Q32T1 |
ca. 797 MB/s |
ca. 599 MB/s |
| RND4K Q32T16 |
ca. 72 MB/s |
ca. 39 MB/s |
| RND4K Q1T1 |
ca. 10,6 MB/s |
ca. 8,5 MB/s |
Für große Videodateien und sequentielle Transfers sind vor allem die SEQ-Werte relevant. Die erreichten Werte sind für ein günstiges 10G-Homelab-Setup sehr ordentlich.
6. SMB-Kopiertest und SMB Multichannel
Beim Kopieren vom NAS auf die lokale NVMe-SSD des PCs lag die Geschwindigkeit zunächst nur bei etwa 279 MB/s. Die Analyse zeigte, dass SMB Multichannel auf TrueNAS deaktiviert war. Nach Aktivierung stieg die reale Kopierleistung deutlich.
| Zustand |
NAS → PC |
| SMB Multichannel deaktiviert |
ca. 279 MB/s |
| SMB Multichannel aktiviert |
ca. 593 MB/s |
Windows bestätigte anschließend eine aktive SMB-Multichannel-Verbindung. Für den praktischen Einsatz ist das ein wichtiger Punkt: Die reine Netzwerktechnik kann 10G liefern, aber SMB- und Betriebssystemeinstellungen entscheiden mit darüber, wie viel davon im Alltag ankommt.
7. TrueNAS-NIC-Statistiken
Auch die Netzwerkschnittstelle auf TrueNAS wurde geprüft. Die relevanten Fehlerzähler blieben sauber.
| Zähler |
Ergebnis |
| RX errors |
0 |
| TX errors |
0 |
| RX CRC errors |
0 |
| RX frame errors |
0 |
| RX FIFO errors |
0 |
| RX missed errors |
0 |
| RX no buffer count |
0 |
Damit gab es keine Hinweise auf physische Fehler der Glasfaserstrecke, der SFP+-Module oder der Netzwerkkarte.
8. Temperatur unter Last
Während der Lasttests zeigte der Switch etwa 63 °C an. Für einen kompakten, günstigen 10G-SFP+-Switch unter hoher Last ist das warm, aber im Test unkritisch. Es traten keine Link-Drops, keine Drosselung und keine Port-Fehler auf.
Was hat das Upgrade gebracht?
| Szenario |
Geschwindigkeit |
| Vorher: 1Gbit NAS zu PC |
ca. 110 MB/s |
| Nachher: SMB-Kopie NAS zu PC |
ca. 593 MB/s |
| Nachher: CrystalDiskMark Lesen |
bis ca. 1068 MB/s |
| Nachher: iPerf3 netto |
bis ca. 9,5 Gbit/s |
Damit wurde die praktische Kopierleistung gegenüber 1Gbit deutlich erhöht. Statt rund 110 MB/s sind im Alltag mehrere hundert MB/s möglich. Unter optimalen Bedingungen sind lesend über das Netzlaufwerk sogar Werte im Bereich von rund 1 GB/s erreichbar.
Fazit
Der günstige Einstieg in 10Gbit über SFP+ und Glasfaser hat sich gelohnt. Für rund 243 € ließ sich eine schnelle Verbindung zwischen PC und TrueNAS aufbauen, die in iPerf3 nahezu volle 10Gbit-Leistung erreicht und auch in realen SMB-Transfers deutlich schneller ist als ein klassisches 1Gbit-Netz.
Der SODOLA SL-8T2XS-WEB ist kein Enterprise-Core-Switch. Die Weboberfläche ist einfach und die Firmware wirkt eher budgettypisch. Die reine Switching-Leistung im Test war jedoch überzeugend: Die 10G-Ports blieben auch unter Last fehlerfrei.
Wichtig ist: 10Gbit endet nicht beim Einstecken der Glasfaser. Für gute Praxiswerte müssen auch SMB, Treiber, Betriebssystem, NAS-Konfiguration und Datenträgerleistung passen. In diesem Test brachte insbesondere die Aktivierung von SMB Multichannel auf TrueNAS einen deutlichen Leistungssprung.
Für Homelab, Videoschnitt, große Dateiablagen und schnelle NAS-Anbindung ist diese Lösung preislich sehr attraktiv. Wer maximale Stabilität, zentrale Verwaltung und langfristigen Herstellersupport benötigt, sollte zu höherwertigen Switches greifen. Für den günstigen Einstieg in 10G-SFP+ liefert dieses Setup aber ein starkes Ergebnis.
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